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Fiolux' Abschied von Calalenya

Der Geruch von Sex und Asche. Dazu ein anderer, süßlicher Geruch - Weihrauch? Gelegentlich dringen Schreie von außen in den Raum. Schmerzensschreie, gedämpft, als wären sie weit entfernt. Rötliches Licht fällt durch den Durchgang, der auf den Balkon führt, und hüllt den Raum seltsames, diffuses Licht.

 

Calalenya blickt einen Moment lang nachdenklich aus dem Fenster und scheint irgendetwas zu beobachten. Du [ohne dass Du Dich wehren könntest] trittst neben sie, um zu sehen, was ihren Blick gefesselt hat.

 

"Nein, es ist besser, wenn Dich hier niemand sieht," hält Calalenya Dich auf. "Wir sollten ohnehin von hier verschwinden - falls jemand vorbeikommt, könnte jemand bemerken, dass wir [sie deutet auf Dalya und sich] nicht allein sind." Sie lächelt Dich etwas müde an und streckt Dir ihre Hand entgegen.

 

Als Du ihr Deine Hand entgegenstreckst, legt sie die ihre schlanke Hand in Deine. Sie fühlt sich heiß an. Mit einer Drehung und einem Blick bedeutet sie Dir, sie durch den Durchgang zu begleiten, der aus dem Raum führt.

 

"Warum? Was würde passieren, wenn mich jemand sehen würde?" fragst Du leicht irritiert.

 

Ein Flug von Sorge huscht über Calalenyas Gesicht. "Jemand könnte dich erkennen. Erkennen, wer du bist. Sie würden dich gegen mich benutzen."

 

Die Frage lässt Dir keine Ruhe: "Hat es 'was mit dem Fürsten hier zu tun?"

 

"Nein - ja - nicht direkt. Vor ihm könnten wir uns hier nicht verstecken. Seine Augen sind überall. Er kann jedes Wort hören, das hier gesprochen wird, wenn er will. Denke daran, seinen Namen nicht zu nennen, wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Das würde nur unnötig seine Aufmerksamkeit auf dich lenken."

 

Als Du den schweren, roten Umhang beiseite schiebst, der den Durchgang versperrt, siehst Du auf eine Galerie, die um den kleinen Innenhof dieses Gebäudes führt. Über und durch das verzierte Gitter der Balustrade kannst Du auf einen kleinen Garten hinabsehen, der einen Springbrunnen in der Mitte des Hofs umgibt. Exotische Pflanzen mit den seltsamsten Blüten und verdrehte Bäume mit fremdartigen Früchten bilden ein seltsames Muster um den Brunnen. Die Bedeutung der Form entzieht sich Dir.

 

Calalenya führt Euch über die Galerie zu einem schmalen Treppenhaus, das Ihr dann über viele Dutzend Stufen über hinabsteigt. Dalya ist Euch nicht gefolgt, so dass Du Deine Gelegenheit siehst.

 

"Wer ist eigentlich Dalya? Was macht sie denn so?"

 

Deine Frage scheint Calalenya zu überraschen. "Ich dachte, du hättest sie erkannt? Siehst du nicht die Ähnlichkeit?" Ein Kopfschütteln. Calalenya lässt einen schnellen Blick über die Balustrade huschen, offenbar um sich zu vergewissern, dass niemand Euch belauscht. "Sie ist deine Schwester - Halbschwester, wenn du es genau wissen willst." Sie lässt die Information einen Moment sacken. "Ich musste sie zurücklassen, als ich in die Menschenlande floh. Freunde haben sich um sie gekümmert, aber jetzt sind wir wieder beisammen. Was sie hier macht? Sie hilft mir hier, so weit sie kann. Das Blut ihres Vaters in stark in ihr, und sie spürt das Feuer viel stärker als ich. Ich glaube, ich werde sie eines Tages an das Feuer verlieren - aber noch nicht jetzt, nicht heute. Sie war so - begeistert, als sie hörte, dass du hierher gekommen bist. Ich war im Palast des Jadeaffen - beschäftigt, deswegen habe ich sie geschickt, damit sie sich um dich kümmert. Ah, da sind wir!"

 

Calalenya hat Dich offenbar in den (einen?) Keller des Gebäudes geführt. Der Raum ist gefüllt mit den verschiedensten Gegenständen. Ein mit roter Seide bezogenes Himmelbett dominiert den Raum. Schwarze Statuen von perfekten (und sehr nackten) Männerkörpern mit schrecklichen Dämonenfratzen starren mit herausgestreckten Zungen und weit aufgerissenen Augen aus unregelmäßig verteilten Nischen. Mehrere Kerzenständer erfüllen den Raum mit flackerndem Licht und lassen Schatten über den Boden und die Wandbehänge tanzen. Auf einem steinernen Tischchen in der Mitte des Raums liegt ein silberner Krummdolch mit auffälligen roten Edelsteinsplittern, die auf der Klinge glänzen.

Es riecht nach Metall und irgendetwas, das Du nicht kennst.

 

Calaneya hält an dem großen Bett und wirft Dir einen schwarzen Umhang zu, der dort über einem Stuhl lag.

 

Während Du Dich in den Umhang hüllst, bestürmst Du sie mit Fragen:

 

"Mir wurde gesagt, ich trage das Zeichen dieses Fürsten. Das Zeichen sei sogar älter als ich. Ich hätte einen Pakt mit ihm. Was hat es damit auf sich?
Kann jeder dieses Paktzeichen sehen? Ich sollte das in Zukunft wohl besser verstecken, nicht wahr?"

 

Ihr Blick deutet an, dass Deine Fragen in eine falsche Richtung gehen. "Ja, Du trägst das Zeichen des Prinzen. Aber Du hast keinen Pakt mit ihm geschlossen, soweit ich weiß. Warum fragst Du mich danach; solltest Du das nicht besser wissen?"

Du kannst nicht anders, als weiterzufragen: "Aber warum trage ich dann sein Zeichen?"

 

Ein Lächeln, aber in ihren Worten ist dennoch eine gewisse Härte zu spüren. "Offensichtlich, weil ich es dir aufgemalt habe. Was, glaubst du, hat dich davor bewahrt, jetzt zu den Bergen des Wehklagens getrieben und abgeurteilt zu werden? Ohne mich und das Zeichen wüsstest du jetzt nicht einmal mehr deinen Namen, geschweige denn, wer du bist - oder vielmehr warst. Du würdest in den Feuergruben der Nalfeshnee schmoren, von den Bar-Igura über die Ebene von Layush gehetzt werden, in Panzuriels Reich zu einem Festschmaus der Vrocks werden."

 

An ihr vorbei kannst du auf ein großes Buch blicken, dessen Seiten mit  seltsamen Schriftzeichen und einem Diagramm bedeckt sind, dass wohl einen menschlichen Körper darstellen soll.

 

"Als ich dich und Pandor verließ, wusste ich, dass du mich eines Tages suchen kommen würdest. Ich wusste auch, dass du ein starker Kämpfer werden würdest. Pandor war ein kräftiger Mann, und in meiner Familie gab es zahlreiche Schwertkämpfer von großem Ruf. Aber ich wusste auch, dass auf deinem Weg viele Gefahren lauern würden. Und dass der stärkste Schwertarm seinen Besitzer am Ende nicht vor dem Tod bewahren wird.

Also habe ich dafür gesorgt, dass du hierher kommen würdest. Du trägst das Zeichen des Prinzen, und alles, was das Zeichen des Prinzen trägt und außerhalb seines Reiches aufgefunden wird, gelangt früher oder später hierher. Ich habe dafür gesorgt, dass dieses spezielle etwas zu mir gelangen würde, und hier bist du.

Nein, Dummerchen, offensichtlich kann nicht jeder das Zeichen sehen. Falls du dir nicht den Kopf von den Schultern reißt, kannst du es ohnehin nicht sehen. Und auch für die Augen der anderen Sterblichen ist das Siegel verborgen - es ist eine Drakned-Glyphe, und die können sterbliche Blicke nicht erkennen. Aber viele der Unsterblichen können das Verborgene, das Übernatürliche erkennen. Für sie ist das Zeichen so sichtbar wie es ihre Augen für dich sind."

 

Ein Teil Deines Geistes beschäftigt sich mit der Frage, wozu das Diagramm in dem alten Folianten dient. Linien führen zu verschiedenen Regionen des Körpers und verbinden diese mit Worten in den unverständlichen Runen. Einige Punkte erkennst Du wieder aus dem, was Dein Vater Dir über den Schwertkampf beigebracht hat. Verwundbare Adern, wichtige Muskelstränge, besonders schmerzempfindliche Punkte.

 

"Warum ist mein Körper so grau? Ist das, weil ich auf Thoriel gestorben bin?"

 

"So weit ich weiß, wird dieses Land Toril genannt. Aber ja, du bist dort gestorben. Die Zeit in der Einöde hat dich grau werden lassen - aber es ist nicht dein Körper, der grau geworden ist. Du bist grau geworden. Der Körper, den du an dir spürst, ist nur ein Echo deines Geistes, nur eine Reflektion deiner Vorstellung, wie dein Körper aussieht. Der Teil von dir, der sich dir in rot und braun vorstellte, hat seine alten Ideen vergessen - oder ist gestorben. Die Einöde nimmt jedem, der über sie wandelt, langsam die Seele. Sie werden zu leeren Hüllen, zu willenlosen Kreaturen, die alles vergessen haben, was sie einst bewegte."

 

Mehrere Punkte, die Dir Dein Vater gezeigt hat, fehlen in dem Diagramm. Die Ader an der Innenseite des Oberarm, die Sehnen auf dem Handrücken. Andere Regionen sind mit Schriftzeichen und seltsamen Symbolen geschmückt, deren Bedeutung Dir unklar bleibt.

 

"Bin ich ein Untoter? Was bin ich? Werden mir auch so Flügel wachsen?"

 

"Nein, kein Untoter, nicht im eigentlichen Sinne. Was du bist? Was wir alle sind - eine Seele, die über den großen Ring treibt wie ein Blatt im Wind. Mehr kann ich dir dazu auch nicht sagen. Aber das dir Flügel wachsen werden, glaube ich nicht."

 

Trotzdem setzt Du noch einmal nach: "Habe ich irgendwelche Fähigkeiten, von denen ich nichts weiß?"

 

"Wenn du deine Fähigkeiten nicht kennst, kann man auch nicht mit Wahrheit sagen, dass du sie wirklich hast, nicht wahr?" Ihre Antwort bleibt kryptisch.

"Aber wir haben nicht die ganze Nacht Zeit, hier zu plaudern. Ich muss in den Palast zurückkehren, und du kannst nicht hier bleiben. Die anderen werden morgen zurückkehren, und sie dürfen dich hier nicht finden.

Außerdem würdest du hier nicht lange bestehen können. Deine Seele ist nicht reif, ohne ihren Körper noch lange zu überdauern. So wirst du langsam verlieren, wer du bist, und dein Geist wird in sich zusammenfallen. Oinos muss dir schon viel genommen haben, wie uns dein Aussehen verrät. Es wird nicht mehr lange dauern, bis der Rest sich verflüchtigt.

Wenn jemand von dort, wo dein Körper liegt, nach deiner Seele rufen würde, könntest du dorthin zurückkehren - aber ich weiß niemanden, der das für uns tun könnte. Und vielleicht könntest du den Ruf von hier auch nicht mehr hören?

Jedenfalls müssen wir etwas tun, um deine Kräfte zu erneuern, dir neue Energie zu geben. Die Nalfeshnee könnten das für dich tun, aber sie würden dich für Jahrhunderte bei sich behalten, unten, in den Feuergruben."

 

Ein wenig hilflos: "Was passiert jetzt mit mir? Wie kann ich meine Seele wieder an meinen Körper binden? Geht das überhaupt? Was soll ich tun?"

 

Eine gewisse Gereiztheit spricht aus Calalenyas Stimme - was Du nur selten erlebt hast. "Sei einen Moment still, ja, mein Lieber? Ich versuche nachzudenken."

 

Ein Moment vergeht. Du starrst wieder auf das Buch, und langsam wird Dir klar, worum es dort geht. Ja, um Sex, Sherlock.

Du musst an Sex denken. Hattest du nicht einmal eine 'engere Begegnung' mit irgendeiner Frau an einem ähnlich seltsamen Ort wie diesem? Du meinst, Dich an irgendjemanden erinnern zu können. Ob es gut war?

Wahrscheinlich nicht, sonst könntest Du Dich wohl noch daran erinnern...

 

"Ich habe gehört, dass im Palast von Shekinester eine Flamme brennt, die das Feuer in jeder Seele erneut entfachen kann. Vielleicht könnte dir das helfen, dich nicht zu vergessen." Calalenya schüttelt frustriert den Kopf. "Ich weiß nicht genug darüber, um dir das sagen zu können."

 

Du bringst ein paar eigene Erfahrungen ein: "Ich war schon einmal dabei, wie eine Nymphe einen meiner gefallenen Gefährten gerufen hat. Er ist dann nicht als Mensch, sondern als Satyr zurück gekommen. Komische Sache das.

Ich habe auf Toril einige mächtige Personen kennen gelernt. Zum Beispiel Marin den Magier oder eben die Nymphe, aber die werden sicher auch nicht helfen können, nicht wahr?"

 

"Woher soll ich das wissen, verdammt? Ich habe sie ja nicht kennen gelernt! Vielleicht könnten die helfen, ja, vielleicht würde es dich auch entzweireißen, wenn jemand deine Seele zurückzurufen versucht, während du hier bist. Du solltest eigentlich nicht hier, verstehst du? Möglicherweise könnten sie dich nur dorthin zurückholen, wenn du dem normalen Weg gefolgt wärst."

 

Calalenya wirft die Arme in die Luft, versucht offenbar, ihren Ärger zu vertreiben. "Aber ich kenne jemanden, der vielleicht mehr dazu weiß. In der Roten Zitadelle soll ein großer Gelehrter der Göttermenschen abgestiegen sein, ein Blut namens Aprin. Malfax hat erzählt, dass dieser Aprin einen Führer sucht, der ihn zu den Bergen des Wehklagens bringt.

Die Göttermenschen wissen viel über den Zyklus des Lebens; vielleicht weiß er auch mehr über die Blaue Flamme und ihre Kräfte. Ich glaube, es wäre das klügste, wenn du dorthin aufbrichst und diesen Aprin um Rat fragst."